This post is only available in german.

Bahnprivatisierung beschlossen

CDU und SPD haben sich bei der Bahnprivatisierung geeinigt. Herausgekommen ist das vom SPD-Parteitag favorisierte Modell, bei dem die Bahn in zwei Teile gespalten wird, von denen einer zur Hälfte verkauft wird.

Füllbild

Wer mich kennt weiß, dass ich dies blöd finde. Ich bin nicht gegen eine Privatisierung der Bahn allgemein, aber dieses Modell, wie alle von Regierungen vorgeschlagenenen, achtet zu sehr auf die Interessen der DB AG und praktisch gar nicht auf die Interessen des Schienenverkehrs in Deutschland allgemein.

Die Probleme, die die DB regelmäßig verursacht sind allgemein bekannt, oder sollten es zumindest sein. Das Schienennetz ist in einem allgemein schlechten Zustand da jahrelang zu wenig Geld investiert wurde. Auf eingleisigen Strecken wurden in großen Mengen Kreuzungsmöglichkeiten abgebaut, so dass die Kapazität stark gesunken ist. Güter- und Fernverkehr haben sich aus der Fläche zurück gezogen, die meisten Anschlussgleise fehlen. Ausgemusterte Lokomotiven der Bundes- und Reichsbahn, immerhin Bundeseigentum, werden generell verschrottet, aber nie an potenzielle Konkurrenten verkauft.

Die Erfahrungen im Personennah- und Güterfernverkehr zeigen, dass Schienenverkehr dort am besten erfolgt, wo er im Wettbewerb stattfindet.

Das jetzige Modell versucht gar nicht, sich irgendwie um diese Probleme zu kümmern. Trennung von Netz und Betrieb, was derzeit aus genau den gleichen Gründen in der Energiebranche gefordert wird, wird hier strikt abgelehnt. Die Politiker sind froh, dass die große Koalition Handlungsfähg sei. Davon kann ich mir aber auch keinen Keks kaufen.

Dieses Modell zur Bahnprivatisierung hilft nur der DB AG, keinesfalls aber dem allgemeinen Schienenverkehr in Deutschland. Es ist damit eine verpasste Chance, und das ist ziemlich schade.

Written on April 29th, 2008 at 07:05 am

3 Comments

  1. Posted 29 April 2008

    Torsten (admin)

    Ich nehme hier noch mal mein Recht in Anspruch, Testkommentare zu schreiben. Nett, oder?

  2. Posted 30 April 2008

    Björn Gernert

    Prinzipiell bin ich gegen die Privatisierung von staatlichen Einrichtungen.
    Wasser, Strom, Gas, Telefon, Bahn, Straße müssen von allen jederzeit nutzbar sein. Dies kann meiner Meinung nach nur der Staat realisieren, da dieser über genug Geldkapazitäten verfügt und auch eben dies anstrebt. Bei privaten Unternehmen geht es doch nur um den Gewinn und nicht um den Erhalt/Modernisierung von Anlagen.

    Außerdem hätte man dann auch nicht so hohe Energiepreise, weil man dann kostendeckend arbeiten würde und nicht gewinnorientiert...

    Heute die Bahn - morgen die Autobahn, ich sehe es schon kommen...

  3. Posted 30 April 2008

    Torsten (admin)

    Ach, ich würde schon sagen dass ein echter Wettbewerb, unter Kontrolle vom Staat, ebenfalls gute und teilweise bessere Ergebnisse liefern kann, weil private Firmen eher bereit sind neue Technologien und Methoden auszuprobieren, und allgemein flexibler sind. Wichtig ist nur, dass der Wettbewerb eben auch funktioniert und es keine Preisabsprachen oder vorsätzlichen Behinderungen gibt.

Write your own