Alfa Romeo Giulietta im Motorsport 2018

Mit den ersten paar Rennen mit Giuliettas schon durch dieses Jahr, wird es langsam Zeit den alten Post für 2018 zu aktualisieren. Es gibt tatsächlich einiges!

TCR

Noch mal kurz zusammengefasst: TCR ist ein Reglement für Kompaktklassetourenwagen die relativ billig sind, aber doch sehr dramatisch aussehen. Die TCR-Version der Giulietta wird von italienischem Tuner Romeo Ferraris (der Name ist anscheinend wirklich nur Zufall) gebaut und in manchen Serien von denen selbst eingesetzt, in anderen von Kunden die das Auto gekauft haben. Und gerade bei den letzteren gibt es einen massiven Zuwachs.

Die größte Nachricht sind die Änderungen für die bedeutendste TCR-Serie, die ehemalige TCR World. Diese wird jetzt verschmolzen mit der WTCC (World Touring Car Championship), ehemals offiziell die höchste Tourenwagen-Serie, die schon länger das Problem hatte dass fast keiner die dort nötigen, teuren TC1-Autos baut. Die neue Serie übernimmt das TCR-Reglement und viel Kernpersonal der TCR-Serie und heißt jetzt WTCR, kurz für World Touring Car Cup (dass die Abkürzung nicht richtig passt ist offensichtlich). Anscheinend darf das Ganze jetzt nicht mehr Weltmeisterschaft heißen, weil eine Voraussetzung dafür ist dass Werksteams zugelassen sind, was im TCR-Reglement verboten ist.

Die Giulietta wird wieder mit dabei sein. Diesmal läuft sie unter dem Teamnamen “Mulsanne Racing”, unter dem sie schon 2017 in der TCR Middle East auftrat (in der TRC Middle East 2018 war sie diesmal nicht). Für die neue Saison bekommt das Auto einen neuen Frontspoiler der wohl die Luftzufuhr zum Kühler verbessern soll. Optisch sagt es mir weniger zu. Ich bin mir immer noch nicht sicher ob “Mulsanne Racing” ein echtes Team ist oder nur ein Name den Romeo Ferraris einsetzt; auf jeden Fall hat Mulsanne Racing keinerlei Internetpräsenz (der texanische Anbieter von Go-Kart-Anteilen gleichen Namens scheint nichts damit zu tun zu haben) und alles Personal scheint von Romeo Ferraris zu kommen.

Die Fahrer sind dieses Jahr alte italienische Veteranen: Fabrizio Giovanardi und Gabriele Tarquini haben beide diverse Meisterschaftstitel in diversen Tourenwagenserien abgeräumt, oft auch schon auf Alfa Romeos (meistens dem 156). Alles in allem bleibt dies die wichtigste Serie für Alfas in der TCR, und vielleicht überhaupt.

Aber die Kunden gibt es natürlich auch noch. Zuerst die einfache Sache: V-Action, die zwei TCR-Giuliettas in der TCR Italy 2017 einsetzten, werden dies auch dieses Jahr wieder tun. Letztes Jahr waren sie nur in den letzten paar Rennen; mal schauen was sie können wenn sie bei der ganzen Saison dabei sind.

Das erste Rennen mit einer Giulietta dieses Jahr fand interessanterweise in Austin, Texas statt. Es war Teil der Pirelli World Challenge, wobei es sich (trotz des Namens) um eine reine US-Serie für Touren- und Sportwagen handelt, die dieses Jahr auch erstmals TCR anbietet. Romeo Ferraris und ein Tim Munday von BAM! Motorsports haben zusammen einen eigenen US-Importeur für die Giulietta eingerichtet, womit dieses Auto erstmals in den USA verkäuflich ist. Derzeit scheinen sie nur ein Auto selbst einzusetzen, was aber immerhin einen vierten Platz in der ersten Runde erreicht hat (im zweiten Lauf aber nicht ins Ziel kam). Die Homepage des Importeurs listet auch Rennend der IMSA Continental Tire SportsCar Challenge, eine andere amerikanische Rennserie die ebenfalls mit einem Reifenhersteller anfängt und mit Challenge aufhört. Bei dieser kleineren Serie scheint es sich um eine Langstreckenserie zu handeln; trotz der Auflistung ist dort bis jetzt noch keine Giulietta gesichtet worden.

Im Vereinigten Königreich sind wir von null Giuliettas auf drei gekommen, in gleich zwei verschiedenen Serien. Das Land hat dieses Jahr erst mal seine eigene TCR-Serie erhalten, mit dem sehr kreativen Namen TCR UK. Die Absicht ist dass es hier eine Einsteigeralternative zur besser etablierten BTCC (siehe unten) geben soll, aber einige Fahrer machen bei beiden mit. Die Giulietta fährt hier mit Laser Tools Racing, mit den Fahrern Aiden Moffat und Derek Palmer. Im ersten Lauf schaffte es Aiden auf Platz 2, im zweiten viel er auf Platz 2 in der vorletzten Runde mit Spritversorgungsproblemen aus. Derek Palmer hatte das ganze Wochenende Probleme mit einem Injektor, schaffte es nicht ins Qualifying, und erreichte nur im zweiten Lauf das Ziel (als letzter). Durchwachsene aber durchaus vielversprechende Ergebnisse bis jetzt.

Derzeit habe ich nichts von anderen TCR Giuliettas gehört, aber sie könnten immer irgendwo als Gast auftreten. Die TCR Europe-Serie scheint noch kein volles Starterfeld zu haben, und es gibt zum Beispiel immer noch das ungarische Team Unicorse, das eine rote Giulietta hat, die aber nichts aktiv zu tun scheint.

Die TCR-Regeln sind auch für Langstreckenrennen definiert, aber bis jetzt hat niemand dort die Giulietta eingesetzt und ich gehe davon aus dass das auch erst mal so bleibt.

BTCC

Die British Touring Car Championship ist die Haupttourenwagenserie in Großbritannien, und fährt mit Autos die im Prinzip Silhouttenfahrzeuge sind. Sie verwenden die Originalkarosserie, aber mit davon unabhängigen und standardisierten Radaufhängungen, Bremsen und Antriebssträngen. Wie schon 2017 angekündigt gibt es dieses Jahr hier eine Giulietta. Das Auto, gebaut von Handy Motorsport und gefahren von Rob Austin, ist fertig und hat sich in ersten Tests gut gemacht. Anscheinend hat das Auto selbst in solch einer Serie, wo fast alle technischen Eigenheiten egal sind, größere Vorteile: Der Radstand und die kurzen Überhänge sind wohl sehr praktisch.

Ich gehe nicht davon aus dass wir je ein Rennen zwischen der BTCC und TCR Giulietta sehen werden, aber wir können zumindest Rundenzeiten vergleichen um zu sehen welches die schnellste Giulietta aller Zeiten ist. Mein erster Eindruck, basierend auf den Rundenzeiten der TCR UK in Silverstone 2018 und der BTCC in Silverstone 2017, ist dass es sehr knapp wird, denn beide sind im selben Bereich. Vielleicht gibt es einen ganz kleinen Vorteil für die BTCC.

(Aiden Moffat und Laser Tools Racing tauchen auch hier auf, allerdings mit einer Mercedes A-Klasse, was sie in diesem Kontext zu Feinden macht.)

SA Endurance Series

Zu meiner großen Überraschung habe ich tatsächlich letztes Mal etwas bedeutendes übersehen, und das obwohl ich schon sechs verschiedene Renngiuliettas gefunden hatte. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Die bislang fehlende Serie ist die Mopar South African Endurance Series, wo eine Giulietta von Arnold Chatz Cars Racing eingesetzt wird. Technische Details konnte ich nicht rausfinden, aber es sieht aus wie schon ein bisschen mehr modifiziert. Tiefergelegt, mit großen Front- und Heckspoiler, aber ohne die Verbreiterungen die man aus TCR und BTCC kennt (…als ob es nicht schon nervig genug wäre mit der Giulietta in alten Parkhäusern einzuparken). Ich finde es immer wieder faszinierend wie viele Versionen des Frontspoilers Leute sich ausdenken, und ich finde fast alle schöner als die Serienversion (mit Ausnahme der TCT-Version von Mosca/Etruria natürlich).

Dieses Auto schaffte es auf einen vierten Platz in seiner Klasse letztes Jahr, und das Team hofft dieses Jahr auf mehr. Im ersten Rennen schafften sie sofort einen Klassensieg und waren sogar besser als ein paar GT4-Wagen, für einen insgesamt siebten Platz.

BRSCC Alfa Romeo Challenge - Giulietta 8c

Eine weniger ernsthafte aber nicht minder interessante Sache kommt schon wieder aus Großbritannien. Dort gibt es die BRSCC Alfa Romeo Challenge, eine Serie nur für Alfas und vor allem Hobbyisten. Von solchen Serien gibt es mindestens eine weitere, und Giuliettas sieht man dort eher nicht da sie zu neu sind. 156er und 147er, meistens ohne Facelift, sind das Mittel der Wahl, mit einigen 155er und 75ern auch noch dabei. Und hier zwei Fiat Puntos, was ich persönlich nicht für okay halte.

Diese Serie erlaubt aber auch merkwürdige Autos in einer “invitation”-Kategorie, und das Mutterland von Doctor Who, Top Gear, James Bond und Slow Mo Guys hat natürlich etwas merkwürdiges zu bieten: Ein Roger Evans baut eine Giulietta auf der Bodengruppe eines fast zerstörten Alfa 8C Competizione den er auf Ebay gefunden hat. Anscheinend passt der Radstand fast exakt, aber das ganze ist trotzdem ein sehr aufwändiges Projekt. Die Hoffnung ist, dass das Auto für 2018 fertig wird. Ich kann nicht beurteilen ob das realistisch ist, aber es ist auf jeden Fall eine gute Story.

Historisch: FIA Alternative Energies Cup

Ich werde das hier nur kurz überfliegen, denn die Webseite der Serie funktioniert nicht mehr, alle anderen Informationen sind italienisch, und das ganze ist einfach nicht sehr interessant. Bei der FIA Alternative Energies Cup handelte es sich um eine Rally-Serie für Autos die nicht mit Benzin oder Diesel angetrieben werden. Team “Montecarlo Engineering Racing Team” hat eine Giulietta die auf LPG umgebaut ist dort eingesetzt, und wohl auch einen GTV aus den 1990ern. Anscheinend hatten sie damit Erfolg in der “andere” Kategorie. So weit ich sehen kann ist das die normale Giulietta, nur halt auf LPG umgebaut und mit Rennbemalung. Aber mit Rennbemalung, Startnummer und möglicherweise Eintragung in den Ergebnislisten (wie gesagt, die Webseite ist grauenhaft) zählt sie auch dazu. Die Serie hatte wohl auch ein paar Alfa Mitos dabei.

Bonus!

Nicht mehr direkt zur Giulietta aber auch in dem Dunstkreis:

Mitjet ist ein Reglement für kleine, leichte, standardisierte Rennautos für Anfänger, mit Einheitstechnik und Karosserien die man vage wie Autos von Audi, BMW oder Mercedes aussehen lassen kann. In der italienischen Serie hat jemand sein Auto so beklebt dass es der aktuellen Giulia ähnlich sieht. Eine offizielle Lizenz haben sie dafür wohl nicht, wie man an den fehlenden Logos und dem absichtlich anders geformten Kleeblatt erkennt. Aber trotzdem, näher ist die Giulia dem Rennen meines Wissens bis jetzt nicht gekommen. Immer noch besser als der Stelio.

Fast genauso interessant: Sauber, der langjährige Formel-1-Hinterbänkler, kriegt dieses Jahr aktuelle Ferrari-Motoren und einen Sponsorendeal, weswegen auf den Autos jetzt Alfa Romeo-Aufkleber sind und allgemein so getan wird als hätte Alfa damit irgend etwas zu tun. Im ersten Rennen hatten sie damit keinen Erfolg.

In der TCR gibt es auch noch andere italienische Tourenwagen, oder zumindest bald. Tecnodom, die dort schon mal erfolglos eine Giulietta in der TCS-Kategorie nutzten und mit etwas mehr Erfolg zwei Mitos, wollen jetzt auch in TCR mit einem selbstgebauten Auto fahren. Aber die Giulietta ist schon belegt (nach TCR-Regeln darf nur eine Firma jedes Basisfahrzeug umrüsten), so dass man dort jetzt den Fiat Tipo nutzt. Ich bin natürlich für die Giulietta in einem direkten Vergleich, aber immer noch mehr für den Tipo als für alles nicht-italienische.

Dieses Wochenende

Dieses Wochenende, am 7./8. April, gibt es gleich mehrere relevante Sachen:

Geschrieben am 7. April 2018 um 11:45

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