Wieso die Modellbahnbranche in Schwierigkeiten steckt

Im Eisenbahnkurier läuft, auf geringem Niveau (von der Menge her) gerade eine Debatte darüber, wieso es für die Modellbahn zu wenig Nachfolger gibt. Über das Problem sind sich alle einig: Zu wenig junge Leute und Kinder steigen in die Modellbahn ein und bleiben interessiert. Die Frage ist: Woran liegt das? Als selbst mehr oder weniger junge Person, die sich für Modellbahnen interessiert, dachte ich, ich gebe mal meinen Senf dazu.

Meine Modellbahn ist eine relativ kleine N-Anlage, ohne Landschaft, die ich immer wieder umbaue.

Vermutete Gründe dafür enthalten alte Favoriten wie “Die Jugend von heute ist schuld” oder, ebenfalls sehr beliebt, “Die Bahn von heute ist Schuld”. Ich würde sagen, dass es eine ganze Reihe von Gründen gibt, die sich teilweise überlappen und die jeweils verschieden sind.

Die Jugend ist gar nicht so anders

Gerne gebracht werden Sachen wie “Die Jugend von heute hat durch Fernseher und Computer zu wenig Phantasie, Geduld, Interesse am Basteln etc”. Das ist, wenn ich offen sein darf, Blödsinn.

Computerspiele und Filme spielen gerne bis immer in fremdartigen Phantasie-Welten. Die Anzahl der Leute, die sich kreativ betätigen und dies im Internet zeigen wächst immer mehr. Auch das geduldige Erstellen neuer Welten im kleinen hat nichts von seinem Reiz verloren, wie Spiele wie Die Sims oder die Leute, die neue Spielfelder für Computerspiele erstellen, gerne zeigen.

Ich sage darum einfach mal frech: Wir sind nicht schuld, ihr seid es.

Eisenbahn ist nicht mehr cool

Die Bahn hat zwar ziemlich viele interessante Züge, aber die Vermarktung lässt deutlich zu wünschen übrig.

Das öffentliche Interesse der Jugend für Züge ist relativ gering, alles in allem gesehen. Andere Subjekte wie Computer und motorisierter Individualverkehr (also Autos) werden als deutlich interessanter angesehen. Ich meine, wie viele andere Eisenbahnfans kennt ihr denn noch? Es sind nicht viele.

Hat die Bahn daran schuld, ist es nur der technische Fortschritt, oder was? Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Allerdings muss ich auch mal dazu sagen, dass die Modellbahnbranche zu wenig tut, um dieses Image zu ändern, was direkt zum nächsten Punkt führt.

Modellbahnen sind nicht präsent

In normalen Spielzeugläden oder in den Spielzeugabteilungen von Kaufhäusern auf Modellbahnen zu stoßen ist eine absolute Glückssache. Wenn man denn so etwas findet, dann ist es meist wenig, und es wird immer mehr eingedampft, was man zum Beispiel prima in Goslar beobachten kann.

Passend dazu findet man auch kaum Werbung für Modellbahnen außerhalb der klassischen Eisenbahnzeitschriften. Ich habe den Eindruck, dass…

Modellbahnhersteller interessieren sich nicht für junge Kunden

Der größte Anteil an Modellbahnen in Deutschland ist in Epoche III. Für die uneingeweihten: Epoche III läuft vom 2. Weltkrieg bis 1968 (1970 in der ehemaligen DDR), und ist eisenbahntechnisch geprägt durch Dampfloks und nur frühe E- und Dieselloks. Es ist die Zeit, in der die meisten Modellbahner ihre Kindheit hatten, und wird vielfach als die gute alte Zeit dargestellt. Häuser stammen alle aus dem Schwarzwald, und Alkoholiker sind, wie es der Stern (glaube ich) so schön formulierte, noch fröhliche Zecher. Die moderne Zeit, bekannt als Epoche V, hat auch ihr Marktsegment, aber bei weitem nicht in der Breite, die wünschenswert wäre.

Darüber hinaus ist der Qualitätsanspruch der meisten Modellbahnhersteller einfach völlig übertrieben, was zu meinem nächsten Punkt führt.

Modellbahnen sind zu teuer

Eine Lok der Baureihe 146 kostet etwas weniger als eine Xbox 360, ein ICE dagegen etwas mehr..

Mein langer Lieblingsgrund für das Ganze. Heutzutage mit Modellbahnen zu spielen kostet schlicht und ergreifend mehr Geld als sich im Vergleich lohnt. Ein neues Videospiel kostet im Schnitt 50€. Ich denke, dass ist der Preis den eine neue Lok für die Modellbahn haben sollte. Dafür bin ich auch gerne bereit auf vorbildgerecht andere Lüftergitter als bei den nicht remotorisierten Maschinen und ähnlichen Quatsch zu verzichten. Wenn aber eine Lok so viel kostet wie eine gute Grafikkarte oder Spielekonsole, macht die ganze Sache schon viel weniger Spaß.

Der tatsächliche Zustand ist, dass eine Lok für 100€ als sehr billig angesehen wird, und preisgünstige Angebote meistens schlicht und ergreifend Schrott sind, mit Fenstern durch die man nicht durchsehen kann und ICEs mit Jakobsdrehgestellen. Es geht auch anders, wie beispielsweise Piko wunderschön zeigt. Davon brauchen wir mehr! Ich selbst verwende vor allem amerikanische Bahnen, die besonders durch den Dollarkurs billig sind.

Fazit

Die Modellbahnindustrie hat kein schlüssiges Konzept, wie man gegen die moderne Konkurrenz vorgehen soll (oder lässt zumindest keins erkennen). Statt etwas zu tun wird sich vielfach nur beschwert, oder mal eine billige Startpackung angeboten, aber kein richtiges Sortiment. Es gibt durchaus Ansätze in die richtige Richtung von Piko und Märklin, aber der größte Teil der Branche denkt immer noch, dass unbekannte Länderbahndampfloks mit Bundesbahnaufschrift für 500€ das Stück das einzig Wahre wären, und so lange sich dies nicht ändert, wird die Modellbahn nicht wieder im großen Maßstab interessant werden.

Geschrieben am 16. Mai 2008 um 20:58

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