Besetzung oder Kaffeekränzchen

Seit gestern hat auch die RWTH Aachen einen besetzten Hörsaal wo Leute für bessere Studienbedingungen demonstrieren, also dachte ich mir, ich gehe mal hin und dokumentiere, was ich dort so sehe.

An das Kármánn-Auditorium wurde ein Banner gehängt, auf dem Bildungsstreik steht

Außerhalb des Hörsaals ist praktisch nichts los, außer dem Banner natürlich. Der tatsächliche Bildungsstreik findet am 17. November statt, in Aachen mit Kundgebung um 13:00 am Elisenbrunnen, wenn ich das richtig mitbekommen hab. Mal schauen, ob ich davon auch berichten werde. Erst mal was anderes aber.

Als Hörsaal für die Besetzung hat man sich den Fo3, einen der vielen im Kármánn-Auditorium, ausgesucht. Das halte ich persönlich fü eine schlechte Wahl, denn der Hörsaal ist recht klein und seine Besetzung stört nur wenige Leute.

Fo2 hat drei mal so viele Sitzplätze, Fo1 fast das sechsfache

Quelle: Hörsaalübersicht der RWTH Aachen für Bereich Mitte

Der Hintergrund davon ist anscheinend, dass die Fachschaft 7/I eine außerordentliche Vollversammlung angemeldet hatte und dafür diesen Hörsaal erhielt und dann einfach dort blieb. Das macht zwar Sinn, aber trotzdem wirkt es etwas komisch, wenn man alle 20.000 Studenten der RWTH aufruft, sich in solch eine Sardinenbüchse zu zwängen.

Und so sieht das ganze dann in echt aus:

Die Wände sind mit gelben Plakaten dekoriert. Ein Sofa und ein Haufen Snacks sind auf dem Rednerpult. Die allermeisten Sitze sind leer. Auf die Tafeln sind ein paar Slogans gemalt

Als ich da war war nichts los, mit Ausnahme von einigen Leuten (wie mir) die immer mal wieder hineinschauten, sich wunderten und dann wieder gingen. Laut aktuellen Nachrichten auf Twitter wurde in dem Saal bevor ich da war und nachdem ich wieder gegangen bin viel wichtige Arbeit und Diskussionen geführt, da hatte ich wohl gerade Pech.

Was soll man nun davon halten? Ich halte davon relativ wenig. Grundideen wie die Abschaffung von Studiengebühren, bessere Studienorganisation, weniger überfüllte Hörsäle und mehr Stipendien, dagegen habe ich nichts einzuwenden. Aber ist das beste Mittel dafür wirklich, die anderen Kommilitonen zu nerven? Es gibt tatsächlich Leute, die dann noch darauf kommen, sich darüber zu beschweren, dass manche Studenten in dem Hörsaal lieber etwas lernen würden. Ist überhaupt Lehre nicht allgemein besser als gar keine Lehre?

Dass die Hochschulleitung der RWTH das Problem kennt sollte ja eigentlich auch bekannt sein. Betrachten wir doch das Beispiel der überfüllten Hörsäle mal: Die Baustelle hinterm Super-C, das werden neue Hörsäle, und es ging gerade ein Architekturwettbewerb für ein neues Hörsaalzentrum in unmittelbarer Nähe zum Audimax zu Ende. Das Problem ist Geld, welches vom Land kommt, und dass heißt im Zweifelsfall in Düsseldorf protestieren.

Aber selbst, wenn man meint, man hätte am meisten Erfolg die Lehre zu verbessern in dem man sie gewaltig stört: Mir fällt es schwer, eine so furchtbar kleine Aktion wie diese hier (im Vergleich zur Größe der Uni) ernst nehmen zu nehmen.

Update

In den Kommentaren wurde behauptet, dass keine Veranstaltungen durch das sogenannte Dauerplenum ausgefallen sind. Allerdings gibt es Berichte von Veranstaltungen, die tatsächlich ausgefallen sind, und auch die Kármán-Hochschulzeitung berichet von einer Höhere-Mathematik-Übung, die so nicht statt finden konnte und deren Teilnehmer und Dozenten statt dessen zu einer Debatte eingeladen wurden. Das betrachte ich persönlich auch als eine Störung der Lehre.

Geschrieben am 13. November 2009 um 12:21

5 Kommentare

  1. Geschrieben 13 November 2009

    Markus

    Sehe ich sehr ähnlich.

  2. Geschrieben 13 November 2009

    Ich

    Fachschaft 7/1 wer sonst!
    Wovon sollen denn die bessere Lehre und zusätzliche Hörsäle bezahlt werden?
    Von liebe und Drogen?
    Pro Studiengebühren!

  3. Geschrieben 13 November 2009

    Prof. Dr. Furunculus a.D.

    Klar, der Raum ist jetzt nicht optimal für eine VV- Aber er bietet eine Basis sich auszutauschen jenseits des Plakativen. "Studigebühren sind Moppelkotze"
    Ausserdem sollte man Festhalten das Aufgrund des Plenums KEINE Veranstaltung bisher Ausgefallen ist und das wohl auch so bleibt. Allein der Objektivität wegen.
    Ausserdem sind Studiengebühren nicht der alleinige Aufhänger des Plenums. Das die Anzahl der Teilnehmer zeitlich sehr variiert ist klar- und leider auch traurig bei der Studentenanzahl in Aachen.
    Aber woran liegt es denn? Weil 90% der Studierenden Millionen auf dem Konto haben ? Weil Ingenieure nicht politisch denken können? Weil 90% der Studierenden zufrieden mit der Bildungssituation sind?
    Ich denke nicht.
    Vllt. daran das Menschen wie Sie soetwas madig machen. Etwas was vielleicht ein Anfang wäre der Upperclass klarzumachen das ihre entscheidungen asozial und ungerecht sind.

  4. Geschrieben 13 November 2009

    Torsten Kammer (admin)

    Dass keine Veranstaltung ausgefallen ist stimmt, so weit ich weiß, so nicht, z.B. berichtet http://www.buecherbucht.de/index.php?trigger=blogshow&id=105 von einem Ausfall. Zu dem Plenum ist die Frage: Finden denn die objektiven Diskussionen statt? Bis jetzt sind leider wenige Ergebnisse bekannt geworden. Ich höre nur von "intensiven Arbeiten", "Workshops" und so weiter, Ergebnisse oder auch nur eine komplette Liste der Forderungen fehlt bislang. Der obige Artikel berichtet übrigens auch davon, dass z.B. eine ergebnisoffene Diskussion über Studiengebühren nicht erwünscht scheint.

    Wenn Sie sagen, dass so etwas wie dieser Post einen Beitrag zu der geringen Akzeptanz hat, dann überschätzen Sie meinen Einfluss gewaltig. Die Leute, die meinen, es sei eine gute Idee, auf die (zweifellos bestehenden, darum geht es mir gar nicht) Missstände auf diese Art und Weise hinzuweisen, werden ganz zweifellos auch ohne meine Zustimmung dort hingehen. Der Punkt ist doch eher, dass viele andere eben auch denken, dass diese Aktion nicht zum Ziel führt.

  5. Geschrieben 15 November 2009

    Cati

    Als gezwungenermaßen fleißiger Steuerzahler sehe ich es schon so, dass genug Geld für die Lehr da sein müsste und ich frage mich, wo es denn nur immer versickert. Wir zahlen echt genug und ärgern uns dennoch, wenn erste kleine und dann große Kinder erst in überfüllten Schule und dann in überfüllten und dreckigen Hörsälen lernen müssen. Und warum eigentlich geht immer die Forschung vor? Eine Uni ist zum Lernen da, will heißen: bevor teuerste Analysengeräte angeschafft werden, weil der Prof.. damit so gern spielt, muss erst mal die Lehre stimmen.

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