Wieder mal die Computerspiele

Inzwischen sind seit dem grauenhaften Amoklauf in Winnenden bei Stuttgart einige Tage vergangen. Nicht viele, aber genug, dass sich die Frage nach den Konsequenzen stellt und wieder die immer selben Themen behandelt werden.

Anfänglich beschränkte sich die politische Diskussion um privaten Waffenbesitz, was ich auch für eine sinnvolle Frage halte. Ich muss hier ganz offen sagen, dass ich keine Schützenvereine brauche, egal wie tief so etwas im Volkstum verankert zu sein mag. Der einzige echte Grund, dass wir Schützenvereine haben, ist doch der Spaß einzelner, und wie man sieht steht dem ein nicht unbeträchtliches Risiko entgegen. Natürlich ist nicht jeder Schütze automatisch ein Killer, so wie es auch nicht jeder Computerspieler ist, aber im Gegensatz zu einem Computerspiel ist eine Schusswaffe automatisch immer eine Gefahr. Als Alternative könnte man diese zum Beispiel in einem besonders gut gesicherten Safe im Schützenverein aufbewahren, wenn man so etwas haben will. Darüber hinaus gibt es auch entsprechende Infrarottechnik oder Paintball, welche beide das Ausleben entsprechender Phantasien ermöglichen, ohne dabei gefährliches Werkzeug zu verwenden.

Nun sind wir aber wieder bei der alten Diskussion um gewalttätige Computerspiele. Die Meinung, die man hier von einem Computerspieler wie mir erwarten sollte ist, dass diese Diskussion komplett Mist ist. Letztlich sehe ich das aber nicht ganz so eindeutig, wie ich auch schon früher hier schrieb. Computerspiele stellen Gewalt sehr gerne als eine gültige und oft genug auch als einzig mögliche Lösung von Problemen dar. Computerspiele, die nur kontextlose Gewalt zeigen sind auch keineswegs die seltene Ausnahme. Das dies Menschen beeinflussen kann halte ich eigentlich für ziemlich logisch.

Auf der anderen Seite sehe ich es aber heute immer noch so wie damals: Computerspiele stehen da nicht allein, alle Medien sind für so etwas mitverantwortlich. Wir leben allgemein in einer Gesellschaft, die gewalttätige Lösungen positiv darstellt. In einem Film oder einer Fernsehserie ist es heute schon beachtenswert, wenn die Helden wenigstens keine anerkannten Kriegsverbrechen begehen, zum Beispiel in dem sie gefangene Gegner foltern um an Informationen zu kommen. Auch Nachrichten sind dort nicht immun, wenn über Gewaltverbrechen gerne in großer Breite diskutiert wird. Wahlweise ironischer- oder tragischerweise kann auch die Darstellung von Amokläufern mit dazu beitragen, weitere solcher Verbrechen entstehen zu lassen. Für Personen, die ähnliche Selbstwertprobleme haben wie Tim K. aus Winnenden, wirkt dieser jetzt zweifellos wie ein Held, der sich “nichts gefallen lässt”. Dies halte ich für deutlich gefährlicher, als jedes Computerspiel das ich kenne.

Ein interessanter Punkt bleibt noch: Wieso wird in der Diskussion immer das Spiel “Counter-Strike” genannt? Wenn so viele Amokläufer es gespielt haben, sollte es dann nicht verboten werden? Nein. Counter-Strike hat vor allem eine Eigenschaft: Es ist unglaublich beliebt. Das Spiel gibt es beinahe umsonst (illegal noch billiger), und es läuft (je nach Version) auf beinahe jedem Computer, der in den letzten zehn Jahren hergestellt wurde. Wenn ein Amokläufer daher ein häufiger Online-Spieler ist, und mehr Action als World of Warcraft haben will (beides Eigenschaften, die durchaus Sinn machen), dann wird er früher oder später auch an CS vorbei gekommen sein. Im Vergleich zu anderen Spielen auf dem Markt ist es aber eigentlich relativ zahm. Zwar geht es immer noch um sinnfreie Gewalt, aber die Grafik zeigt keine nennenswerten Details getöteter Gegner. Es gibt auch keine Extrapunkte oder anfeuernde Kommentare für besonders spektakuläre Frags, und die Grafik ist nach heutigen Standards ziemlich unrealistisch. Nebenbei muss erwähnt werden, dass man CS nur im Netzwerk spielen kann, und man sich darum immer mit anderen Menschen beschäftigen muss, wenn man es spielt. Insgesamt hat das den Effekt, das die deutsche Fassung der neuesten Version (auch schon bald fünf Jahre alt) hier ab 16 Jahren freigegeben ist, was nach dem Amoklauf in Erfurt noch mal überprüft und bestätigt wurde. Leute, die Counter-Strike speziell als Beispiel für gewalttätige Computerspiele heranziehen, haben schlicht und ergreifend keine Ahnung.

Wenn ich hier noch eine persönliche Notiz anfügen darf: Ich erhalte mal wieder den Eindruck, dass Wolfgang Schäuble die größte Gefahr für die innere Sicherheit Deutschlands ist. Privater Waffenbesitz, speziell bei Sportschützen, ist für ihn nach Aussage gegenüber tagesschau.de kein Problem, das echte Problem seien Gewaltdarstellungen. Der Punkt ist nur: Wenn ein Amokläufer keine Schusswaffe hat, dann klappt der Amoklauf nicht, egal wo die Gründe liegen mögen. Ein Beispiel war der Fall am Berliner Hauptbahnhof 2006, wo der Täter keine Pistole, sondernd nur ein Messer hatte. 28 Verletzte ist sicher keine schöne Sache, aber einer entsprechenden Anzahl an Todesfällen mit großem Abstand vorzuziehen.

Geschrieben am 14. März 2009 um 08:50

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