Semesterticket

Es ist beschlossen: Dass neue Semesterticket für die RWTH Aachen kostet 104,80€ im Semester, der Vertrag hat eine Laufzeit von drei Jahren (mit fixem Preis) und als Neuerung kann man jetzt zusätzlich Freunde oder Familie am Wochenende und am Abend mitnehmen. Ich hatte unter Twitter live über die Sitzung des Studierendendparlaments berichtet, auf der dies beschlossen wurde. Nun ist etwas Zeit vergangen, und ich möchte das ganze noch mal kurz zusammenfassen und bewerten.

Die Konditionen

Zuerst die wichtigsten Daten: Das Ticket gibt es ab Sommersemester 2012. Der Geltungsbereich ist wie gewohnt: Alles in NRW, und die Buslinien der ASEAG (bzw. im Auftrag der ASEAG) nach Vaals und Kelmis, sowie all die ganzen Zusatzgebiete für das NRW-Tickets. Der Grundpreis beträgt 102,42€ und ist für die gesamte Laufzeit des Vertrags fix. Dazu kommen im ersten Jahr (also Sommersemester 2012 und Wintersemester 2012/13) noch 2,38€ für die Personenmitnahme, für einen gesamten Preis von 104,80€.

Personenmitnahme

Unter dem sperrigen Punkt versteckt sich, dass man jemand anderen ohne Aufpreis mitnehmen kann. Dies gilt Werktags ab 19:00 und an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen, aber nur im AVV-Bereich (ob hier die internationalen Buslinien dazu gehören weiß ich nicht. Ich habe einen E-mail an den AStA geschickt, aber dass der noch nicht geantwortet hat verwundert sicher nicht).

Dies ist in der Laufzeit begrenzt bis einschließlich Wintersemester 12/13. Im Sommersemester wird eine Studie über die Nutzung dieser Mitnahme angefertigt; danach kann sich das Studienparlament neu entscheiden (tut es dies nicht, dann endet die Vereinbarung automatisch). Von den Kosten für die Studie trägt die Studierendenschaft ein Drittel, aber gedeckelt auf 3500€.

Unabhängig davon können bis zu drei Kinder von sechs bis zwölf Jahren kostenlos mitgenommen werden, für die ganze Laufzeit des Tickets (Kinder unter sechs fahren eh kostenlos im AVV). Eine kuriose Bedingung die wohl von der FH gefordert wurde, aber für umsonst werde ich mich nicht darüber beklagen.

Die Verhandlung

Im Nachhinein kann man nur sagen: Der AVV hat gewonnen. Das neue Ticket ist tatsächlich sogar etwas teurer als das Angebot, dass im Dezember 2011 einstimmig vom Studierendenparlament abgelehnt wurde (hat dafür aber eben auch die Personenmitnahme). Die lange Begründung für die Ablehnung, die die Allgemeine Fachschaftsliste (AlFa) veröffentlichte und die sogar noch mal ausgedruckt an alle Gäste verteilt wurde, ist letztlich ungehört geblieben. Dass der AVV jetzt etwas weniger Geld durch die Personenmitnahme kriegt (früher waren wohl 5€/Semester im Gespräch) wiegt da sicher nicht so schwer.

Natürlich hatte das Studierendenparlament am Ende keine andere Wahl, wie auch das sehr eindeutige Ergebnis (39 Ja-Stimmen, eine Enthaltung, ein Nein) zeigte, und persönlich finde ich das Angebot auch immer noch sehr, sehr gut für die Leistung. Aber sollten die Listen bei der nächsten Wahl zum Studierendenparlament behaupten, dies sei ein Erfolg für sie gewesen, dann würde ich das nicht so stehen lassen.

Interessanterweise wurde dies auch bei der Sitzung größtenteils ausgeblendet. Bis auf eine Dame (Sorry, ich habe mir hier die Namen nicht gemerkt), die dafür sehr insistierte, nahmen die meisten das Grundangebot als gegeben hin und debattierten vor allem über Sinn oder Unsinn der Personenmitnahme. Die Argumente dafür und dagegen waren größtenteils die selben: Es ist billiger als selbst eine Einzelfahrt (bzw. 3 Einzelfahrten innerhalb der City-XL-Zone), aber andererseits sicher kein unverzichtbarer Bestandteil der studentischen Mobilität. Nur ein MSP erwähnte, dass die Preisersparnis durchaus relativ ist: So lange mir meine Freunde nicht Geld für die Mitbenutzung des Tickets zahlen, spare ich ja eigentlich nichts.

Persönlich denke ich, dass die Personenmitnahme ein unnützer Luxus ist. Auf der anderen Seite: Wenn sie schon mal da ist, werde ich sie auch einsetzen, und ich denke schon dass ich die 2,38€ im Semester wieder raushole. Wenn zum Beispiel meine Eltern zu besuch sind, fahren wir oft am Wochenende mit dem Auto in die Aachener Innenstadt. Mit dem neuen Ticket müssen wir das nicht mehr zwingend tun.

Neue Bahnstrecken

Ein Punkt, der mir am Rande auffiel: Herr Sistenich vom AVV wurde immer mal wieder gefragt, was der AVV denn so für Verbesserungen plane. Abgesehen von sehr vagen Aussagen zu mehr Nachtbussen führte er immer wieder die Bahnstrecke nach Heinsberg und den Ringbahnschluss an. Beide Projekte sind für mich als Bahnfan sehr interessant, aber der Nutzen für Studenten ist eher fragwürdig.

Wurmtalbahn

Die Bahnstrecke Heinsberg-Lindern, auch bekannt als Heinsberger Bahn oder jetzt vor allem Wurmtalbahn ist ein sehr interessantes Projekt der Reaktivierung, besonders da die Strecke elektrifiziert wird. Da aber nur 200 Studenten in Heinsberg wohnen, bringt es nicht wirklich viel. Natürlich wird Heinsberg damit interessanter als Studentenschlafort, aber diese Aufwertung ist nicht die Aufgabe des Semestertickets. Nebenbei liefert das geplante Flügelzugkonzept (zwei Triebwagen Baureihe 425 fahren in Aachen los und werden in Lindern getrennt; einer fährt nach Heinsberg, einer nach Krefeld) mehr Sitzplätze im Abschnitt Aachen-Lindern, aber ob die so dringend gebraucht werden? Tatsächlich klingt die Sitzplatzzahl für mich arg übertrieben; ein 426er (nur halb so lang) sollte es nach Heinsberg auch tun.

Ringschluss

Der Wiederaufbau der Strecke Alsdorf-Stolberg bindet Würselen ins Euregiobahn-Netz ein und bietet die Möglichkeit, Züge von Stolberg über Aachen, Herzogenrath, Alsdorf und Würselen wieder nach Stolberg fahren zu lassen (wo sie die Fahrrichtung ändern müssten für die nächste Runde). Nette Sache, aber man muss auch sagen: Die neue Strecke umfährt Aachen und die RWTH in einem weiten Bogen. Für Würselener wäre die Reise mit der Bahn zum Aachener Westbahnhof bestenfalls genauso schnell wie mit dem Bus zu fahren. Die Strecke dient Leuten, die durch die StädteRegion fahren wollen, aber nicht Pendlern die in die Aachener Innenstadt oder eben zur RWTH wollen.

Beide Projekte sind Sachen, auf die der AVV sicher Stolz sein kann, aber ein echter Vorteil für die Studenten entsteht hier nicht. Im Umkehrschluss heißt das auch: Die Projekte würden und werden auch ohne Studenteninteresse entstehen; es macht also keinen Sinn die Studenten hier überdurchschnittlich an der Finanzierung zu beteiligen.

Fazit

Mit dem neuen Semesterticket hat letztlich der AVV die Verhandlungen gewonnen. Weder auf der Preis- noch auf der Angebotsseite gab es echte Verbesserungen. Die Personenmitnahme ist kein schlechtes Trostpflaster, aber eben auch nicht mehr als das. Mich stört es nicht, denn das Ticket bleibt ja immer noch enorm günstig. Aber letztlich haben Studierendenparlament und AStA nicht die großen Ankündigungen erfüllen können, die es nach dem Ablehnen des letzten Angebots gab.

Geschrieben am 10. Januar 2012 um 00:52

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