Ein plötzlicher Todesfall

Es gibt viel Hype um Joanne K. Rohlings neuestes Buch “Ein plötzlicher Todesfall”, ihr erstes für Erwachsene. Ich habe es gelesen (auf Englisch; meine Übersetzungen könnten falsch sein), und wollte mal meine Meinung dazu abgeben.

Das Buch beginnt mit dem plötzlichen Tod eines Ratsmitglieds eines kleinen Orts irgendwo in England. Das verursacht einiges Aufsehen, denn es gibt in der Stadt eine lange Auseinandersetzung über einen Stadtteil der einen sozialen Brennpunkt darstellt und den viele als einen Schmutzfleck sehen.

Die Geschichte folgt vielen verschiedenen Bürgern die alle ihre eigenen Ideen haben, wer den freien Platz im Rat einnehmen sollte, und allgemein eigene Pläne für ihr Leben oder das anderer - teilweise politisch, teilweise nur um Leute zu ärgern. Es folgt auch deren Kindern und deren Freunden, die generell keine einfachen Beziehungen zu ihren Eltern haben.

Man muss hier vielleicht anmerken, dass es kein Krimi ist. Der Todesfall ist komplett natürlich. Am ehesten kann man das Buch vielleicht mit einer Fernsehserie wie Desperate Housewives vergleichen; ein Fenster in die sehr kaputten Leben verschiedener Leute in einem Örtchen, dass nur sehr hübsch aussieht.

Wie erwartet ist das Buch sehr gut geschrieben. Es ist oft sehr lustig und definitiv schwarzer Humor. Die Charaktäre sind sehr gut getroffen. Wer in einem kleinen Ort (oder Vorort) wohnt, dem werden viele Typen bekannt vorkommen. Der Plot ist nicht eine große Auseinandersetzung, sondernd viele kleine, die aber zusammenhängen und zu einem großen Problem führen. Viel ist lustig und leicht, aber bei weitem nicht alles. Drogen und Kindesmisshandlung zählen noch eher zu den sanfteren Themen.

Es geht in dem Buch auch stark um soziale Themen. Es erzählt ganz klar, dass die Leute im schlechten Teil der Stadt genauso Menschen sind; nicht schlechter oder besser, aber doch Wert, dass man ihnen hilft. Es gab in der Presse teilweise Behauptungen, dass dieses Buch Rohlings “sozialistisches [sic] Manifest” sei. Das ist einfach nur albern.

Aber ist es…?

Natürlich bleibt die Hauptfrage für alle: Ist dieses Buch das nächste Harry Potter? Und die Antwort ist offensichtlich nein. Tatsächlich versucht das Buch sehr stark, nicht Harry Potter zu sein.

Statt der immer hoffnungsvollen Grundhaltung von Harry Potter und dem klaren “böse-gut”-Denken gibt es hier viele Charaktere, die alle irgendwie kaputt sind. Nicht alle sind gleich schlimm, aber es gibt definitiv keine Helden. Manche mögen hier und da sehr sympathisch wirken, aber es scheint auch immer durch, dass diese Leute auch negative Effekte auf andere haben. Das Buch enthält keine fantastischen Elemente. Es ist zwar fiktiv, aber komplett realistisch1. Die Sprache versucht teilweise so stark, erwachsen zu sein, dass es kindisch wirkt. Insbesondere werden sexuelle Anspielungen in rauen Mengen geworfen, auch und gerade wo man sie nicht erwartet (oder braucht). Wo Harry Potter einen Blickpunkt hat (den von Harry), gibt es hier sehr viele, die teilweise sehr schnell wechseln. Und Harry Potter ist eine Serie, während dieses Buch in sich klar abgeschlossen ist. Weitere Nachfolger erwarte ich nicht.

Zusammenfassung.

Es ist ein gutes Buch. Mir hat es gefallen, aber ich werde es vermutlich nicht noch mal lesen. Ich kann es empfehlen, aber es verdient nicht all das Marketing, oder den extra-hohen Preis.


  1. Interessanterweise sogar das Hacken. Das ist vermutlich die erste Geschichte überhaupt, egal in welchem Medium, die ich gelesen habe und in der Hacken richtig dargestellt wird. Ja, SQL Injections sind wirklich so einfach und gefährlich. Stellt sicher, dass eure Websites sicher sind! 

Geschrieben am 3. Oktober 2012 um 18:29

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